Mein Logo und was es ausdrückt

Günther Meinhold

 

Web Design

Wissen und Systemkomplexität

zurück

vor 

Der Zustand des Wissens von Einzelpersonen oder Gruppen zu einem bestimmten Zeitpunkt gibt Auskunft über die Qualität des momentan vorhandenen Wissens. Wie sich, ausgehend von einem Anfangszustand, das Wissen entwickelt und verändert, kann man nachvollziehen, wenn man die Übergänge zwischen den Wissenszuständen betrachtet. Im Modell des Wissenswürfels bewegt man sich dabei von einem Anfangs- zu einem Endpunkt, wobei sich mindestens eine der drei Zustandsvariablen „Breite“, „Tiefe“ oder „Strukturiertheit“ verändert.
   Auch im physikalischen Raum zeigt sich die Bewegung eines Körpers durch die Änderung mindestens einer seiner Ortsvariablen „Breite“, „Tiefe“ oder „Höhe“. Die Bewegungsfreiheit von Planeten, Autos oder Menschen wird allerdings durch physikalische oder juristische Gesetze eingeschränkt. Eine Schlucht oder eine Felswand setzt einem  Autofahrer natürliche Grenzen, während Verkehrsregeln gesetzlich verordnete Beschränkungen auferlegen. Physikalische Barrieren wirken direkt. Verordnungen fruchten nur dann, wenn man die Regeln akzeptiert und einhält.
   Der Wissenswürfel besitzt gleichfalls „verbotene“ Bereiche, denn es existieren zwei grundlegende Einschränkungen:

1.Der Zustand „Umfassendes Wissen, Systemkenntnis, Erkenntnis“  kann nur über den Zustand „Abstraktes Wissens, Systemverständnis“ erreicht werden

2.Wird der Zustand „Abstraktes Wissens, Systemverständnis“ umgangen, dann führt die stetige Zunahme von Wissenstiefe und Wissensbreite immer zum Zustand „Chaotisches Wissen“.

Im Modell wird die Einhaltung dieser beiden Regeln erzwungen, indem der Zustandsraum - wie in der Abbildung unten zu sehen - um die gesperrten Teile reduziert wird.

Bild1-Wissen-und-Komplexität-1

Auch im reduzierten zustandsraum kann man zu allen beschriebenen Wissenszuständen – den Eckpunkten und dem Mittelpunkt der Deckfläche des Würfels -  gelangen, allerdings nicht mehr auf jedem beliebigen Weg. So führt nunmehr kein direkter Weg vom Chaotischen Wissen zum Umfassenden Wissen. Erst wenn man Ordnung in das Chaos bringt, indem man den Weg über den Zustand  „Abstraktes Wissen, Systemverständnis“ wählt,  wird der Weg  zum Umfassenden Wissen frei. Fehlt aber die strukturelle Ordnung, wird jede hinreichend große Menge von Dingen – nicht nur von Informationen und Wissen  – chaotisch. Aus diesem Grund brauchen und haben funktionierende große Systeme jedweder Art wie Organisationen, Produktionsanlagen, Verkehrssysteme, Bauwerke, Lebewesen oder das Universum als Ganzes definierte Strukturen und Regeln, die ihnen Stabilität verleihen und ihre Existenz sichern.
   Natürliche komplexe Systeme bestehen seit Jahrmilliarden und besitzen eine reichhaltige innere Ordnung. Vom Menschen bewusst geschaffene technische und organisatorische Systeme werden nach festgelegten Regeln und Plänen konstruiert oder definiert. Ihre Struktur spiegelt den Wissensstand ihrer Konstrukteure, Entwickler und Planer wider.

   Für die Planung und Realisierung einfacher Systeme wie einer Holzhütte braucht man nur wenig Wissen, und es spielt keine Rolle, ob dieses stark strukturiert vorliegt oder nicht. Sobald aber die Komplexität der Erzeugnisse und mit ihr die Menge des benötigten und verwalteten Wissens wächst, kann man dessen Fülle ohne Kenntnis der wesentlichen Zusammenhänge, Strukturen und Gesetzmäßigkeiten des betrachteten Sachverhaltes weder effizient speichern noch sinnvoll verwerten.
   Dem Wissenszustand „Abstraktes Wissen, Systemverständnis“ kommt deshalb - nicht nur im Zustandsmodell des Wissens - eine besondere Stellung zu. Denn er ist der Schlüssel zur Beherrschung von Komplexität, und nur über ihn führt der Weg zu Erkenntnis und zu Umfassenden Wissen. Wird er nicht erreicht oder bewusst umgangen, dann entstehen schlecht strukturierte und nur mangelhaft verstandene Produkte, die nicht wie gewünscht funktionieren, deren Teile schlecht zusammenspielen und deren unzureichend vorhersagbares Verhalten ein unkalkulierbares Risiko darstellt.
   Wenn jedoch höhere Prinzipien als der pure Zufall und die singuläre Optimierung regieren, wird ein Ganzes mehr sein als die Summe seiner Teile, und man wird komplexe technische, organisatorische und soziale Systeme verstehen und steuern können oder aber – was nicht weniger wichtig ist - zur Einsicht gelangen, dass sie unter den gegebenen Bedingungen nicht beherrschbar sind.